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Die Entwicklung der Kraftstoffpreise

4. Februar 2015
Tuning News: Tendenz zum längerfristigen Preisverfall

Seit Beginn des Winters 2014 passierte mit den Kraftstoffpreisen, was bisweilen niemand wirklich erwartet hatte: Sie fielen ab - und zwar auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Experten sehen auch längerfristig ein deutlich niedrigeres Niveau beim Erdöl-Preis als bislang.

Man kann zwar noch nicht wirklich von einem historischen Tiefstand sprechen, doch die aktuelle Entwicklung der Kraftstoffpreise wirkt fast schon abenteuerlich. Seit Ende November 2014 hat sich das Preisniveau für Benzin- und Dieselkraftstoffe kontinuierlich nach unten entwickelt. Ein Liter PKW-Diesel, der im Oktober noch rund 1,30 Euro kostete, war Mitte Januar 2015 schon für teils unter 1,10 Euro zu haben. Ähnlich sieht es auch beim Superbenzin aus, dessen Preis sich von etwa 1,45 Euro im vergangenen Herbst nun nahe der Marke von 1,25 Euro platziert hat. Wirklich vorauszusehen war diese Entwicklung nicht, da es weltwirtschaftlich betrachtet keine nennenswerte Rezession gab, die eine Nachfrage erheblich absenken müsste.

Einen ähnlich starken Abgang der Kraftstoffpreise hat es vor nicht allzu langer Zeit aber schon einmal gegeben: Im September 2008, als bedingt durch die US-Immobilienkrise mit Lehman Brothers eine der größten Investmentbanken in den Bankrott ging, bekam die kapitalistisch geprägte Weltwirtschaft einen herben Dämpfer verpasst - und erlebte damit die wohl größte weltweite Wirtschaftskrise seit den 1920er Jahren. Mit ihr fielen auch die Preise für Benzin und Diesel erheblich: Im Zeitraum zwischen September und Dezember 2008 wurde Superbenzin um etwa 34 Cent, Diesel um gut 30 Cent günstiger. Was viele Autofahrer - sofern sie ihre Arbeit über das Ausmaß der Rezession nicht verloren hatten - freuen durfte, war leider ein klares Zeichen für rückläufigen Wohlstand über einen mittelfristigen Zeitraum. Doch wie ist der momentan vorherrschende Preisverfall bei Kraftstoffen zu erklären?

Ölpreis soll mittelfristig günstig bleiben

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise Bild 780684
© Bernd Kasper / pixelio.de

Ein Blick in die Glaskugel ist selten verlässlich, eine gut recherchierte Prognose dagegen erweist sich in der Regel als grundlegend hilfreich für bevorstehende Marktmechanismen. So sehen Experten der Bank Société Générale und der DZ Bank den Weltmarktpreis für Rohöl auch künftig bis 2016 auf einem weiterhin niedrigen Niveau zwischen 70 und 90 Dollar je Barrel (was etwa 159 Litern entspricht). Zuvor bewegten sich ihre Prognosen noch zwischen 90 und 100 US-Dollar, die Faktoren von Wirtschaftsdaten aus China, den USA und der Automobilindustrie bewegten die Banken jedoch zu einer Korrektur ihrer Preisvorhersagen. Fraglich bleibt auch, ob die derzeitige Fördermenge von der OPEC künftig weiter gedrosselt wird, um weiteren Preisverfall zu unterbinden. Zudem wächst das Interesse vieler Länder an der Fracking-Methode, was dem Weltmarkt in den nächsten Jahren ein zusätzliches Angebot an Erdöl bescheren könnte.

Ferner spielen bei der Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise aber nicht die Förderung und die reale Nachfrage des Erdöls allein die Hauptrolle, durch Spekulationen an den Börsen kann der Preisverlauf maßgeblich mit beeinflusst werden. Dabei potenziert sich das aktuelle Potenzial von auf- oder absteigenden Preisen oftmals dadurch, dass im Handel mit Zertifikaten, Terminkontrakten und Optionsscheinen auf einen weiteren An- oder Abstieg der Preise gewettet wird. Den Endverbrauchern bleibt dabei kaum eine Möglichkeit, die Entwicklung mit zu bestimmen. Sie können entweder selbst beim Handel mit Börsenprodukten mitmischen, oder aber - und das ist sicherlich die einfachere Möglichkeit - sich stets für die günstigste Tankstelle in ihrem Umfeld entscheiden, indem sie sich online informieren. Damit reizen sie einerseits die Chance auf einen verstärkten Konkurrenzkampf zwischen den Tankstellen aus, andererseits können die meisten auch an einem günstigeren Tag zur Zapfsäule greifen und somit ebenfalls Geld einsparen. Ein Dorn im Auge bleibt den Vielfahrern aber nach wie vor: Der nicht unerhebliche Steueranteil, der je Liter Kraftstoff etwa 70 Cent beträgt.

Wachsendes Angebot durch Fracking-Förderung in den USA

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise Bild 780685
© PicturePoint.biz / pixelio.de

Eine Musterlösung für die Frage, warum Benzin und Diesel plötzlich wieder günstiger werden, gibt es nicht - auch Expertenmeinungen gehen an dieser Stelle auseinander. Ein nicht unerheblicher Faktor ist dabei jedoch die vermehrte Förderung von Erdöl durch die sogenannte Fracking-Methode, die derzeit vermehrt in den USA Anklang findet. Das sich in festem Gestein befindliche Erdöl wird durch ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck herausgelöst und an die Oberfläche befördert. Einerseits entgegnet Amerika als einer der größten Verbraucher mit seinen zunehmenden Bohrungen dem aufstrebenden Wert des Öls, um auch zukünftig bezahlbar zu bleiben. Andererseits widerstrebt dies manchen Anlegern und vor allem den größten Export-Nationen dieser Welt, allen voran Venezuela.

Diese Staaten profitieren vom ansteigenden Ölpreis, da sie bei gleicher Fördermenge (die durch das OPEC-Kartell gerne auch künstlich verknappt wird) eine bessere Handelsbilanz einfahren können. In Venezuela kommt nun noch erschwerend hinzu, dass durch die Bilanzüberschüsse der eigens verbrauchte Kraftstoff für die Bevölkerung hemmungslos subventioniert wird. Sinkt also der Weltmarktpreis, könnte das für die Südamerikaner langfristig sogar in einer Preissteigerung münden. Als weitere Einflussfaktoren für die weltweite Preisentwicklung gelten aber auch die Wachstumsprognosen für aufstrebende Wirtschaftsnationen wie beispielsweise die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Besonders für die chinesische Wirtschaftslage und ihr fortschreitendes Wachstum sinkt die Erwartungshaltung - und mit ihr die Nachfrage nach Öl. Gleichzeitig sinkt auch der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch im Transportverkehr weiter: Durch verbindliche CO²-Vorgaben für PKWs werden neue Modelle immer sparsamer, doch auch die Luftfahrtindustrie beginnt bereits mit der Forschung und Entwicklung von effizienteren Triebwerken.

Daten & Fakten
Durchschnittspreise für Kraftstoffe (Stand Dez. 2014):
1.20,3 (Diesel)
1.31,7 (Super E10)

Quelle: ADAC
Fotos: pixelio.de

Text: P. Hünteler, Fotos: pixelio.de

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