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Mrs. Orangina - Ein 1972er Audi wird zum Retro-Airrider

6. Dezember 2011
Youngtimer: Retro-Airrider

Der Weg eines Audi 100 Coupé S. Von der Restauration zum Retro-Airrider.

Vor vielen Jahren stand auf einem Dorffest meines Heimatortes ein blaues Coupé S zur Schau. Das muss wohl schon an die 25 Jahre her sein. Ich war schon damals begeistert von diesem Audi. Diese Begeisterung hat mich über die Jahre nicht los gelassen. So kam es dann auch, dass ich seit einiger Zeit vermehrt in Anzeigen gestöbert und Berichte über das Audi Coupe S gelesen hatte. Im Sommer 2010 dann, nur ein paar Tage vor meinem Familienurlaub in Italien, rief mein Vater mich an und erzählte mir, er habe eine Anzeige im Netz gesehen. Ein Coupe S mit deutscher Auslieferung, vor wenigen Jahren schon komplett restauriert. Nach ein paar Telefonaten mit dem Verkäufer fuhren wir ad hoc zu dem Coupe. Mein Chef hatte mitgespielt und meinen Jahresurlaub spontan um 2 Tage nach vorne erweitert. Der Wagen war genau wie am Telefon beschrieben. Grob, aber ordentlich geschweißt und mit einer schlechten Lackierung. Eine gute Basis für mein Vorhaben. Gekauft!

Der Weg führt nach Hause

Nach meinem Italienurlaub waren auch die Papiere fertig und wir konnten das Coupé abholen. Und dann stand er endlich in meiner Garage. Der deutsche TÜV hatte auch gar nichts gegen die Oldtimerzulassung und so war der 72er Audi bereits ein paar Tage später auf der Straße und auf dem Weg zu seinem ersten Oldtimertreffen.

Ohne Schweiß kein Preis!

Mrs. Orangina - Ein 1972er Audi wird zum Retro-Airrider Bild 650781

Im Herbst 2010 war es nun an der Zeit den Wagen in einen ihm würdigen Zustand zu bringen. So ging es dann Ende Oktober zum Karosseriebauer nach Koblenz, wo der Wagen komplett von Grund auf überarbeitet und später in frischen Originallack, tibetorange, erstrahlen sollte. Auch Fahrwerks- und alle Gummiteile des Wagens sollten erneuert werden. Ebenso sollte der Motor neu abgedichtet, sowie eine spezielle Federung eingebaut werden. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Im Dezember ging es dann an die Karosseriearbeiten. Zuerst wurde der Motorraum gestrahlt und geschliffen. Die Vorgänger hatten hier auf nicht überlackierbaren Bitumen gesetzt und trotzdem überlackiert. Eine sehr zeitintensive Sache, das alles wieder heraus zu bekommen. Danach wurde hier verzinnt und gespachtelt. Die originalen Kabelhalterungen wurden entfernt, sowie die ein oder anderen Löcher geschlossen. Rostschutzgrundierung und der Füller fanden ihren Weg auf's wieder schön gemachte Blech.

Die groben Schweißarbeiten der einst durchgeführten ersten Restauration sollten beseitigt werden. Das war uns bewusst. Auch dass sicher die ein oder andere kleine Überraschung noch im Blech wohl auf uns lauerte. Beim Auseinanderbau kamen dann auch kleine Roststelle zum Vorschein, aber es war nichts wirklich Schlimmes dabei. Eine kleine Liste der zu beschaffenden Gummiteile wurde täglich erweitert und direkt bei den Klassik-Teilehändlern geordert.

Mrs. Orangina - Ein 1972er Audi wird zum Retro-Airrider Bild 650780

Auch im Innenraum wurde tagelang gestrahlt, geschliffen und dann auch hier mit Rostschutzgrundierung für die spätere Lackierung vorbereitet.

Ein besonderes Augenmerk fiel auch auf den Kofferraum. Hier hatte man bei der ersten Restauration ordentlich gebraten und Schrubbscheiben schienen teuer gewesen zu sein. Die Karosserie-Jungs haben fast eine ganze Woche Nonstop im Kofferraum zugebracht, kniend Bitumen entfernt, entlackt, gestrahlt. Dann wurden die ursprünglichen Formen des Coupe-Kofferraums und auch die Symmetrie wieder hergestellt.

Die Planung und die Realität

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Im Januar 2011 ging es dann an die Karosserie und die losen Teile. Eine böse Überraschung. Bei der Überarbeitung, bzw. dem Anschleifen der Motorhaube ging der Lack schon mal in ganzen Stücken ab. Auch dies wieder ein Kunstwerk der ersten vor Jahren durchgeführten Restauration. Die Vorgehensweise war: Lack auf's Blech, ohne Rostschutzgrundierung zu verwenden. Anschließend anschleifen und lackieren. Das Ergebnis: Reine Glückssache. An diversen anderen Teilen sah es ähnlich aus. Egal, wenn dann richtig!

Etliche Konturen und Kanten der Karosse mussten wieder herausgearbeitet werden. Es wurde geschliffen, gefüllert, gespachtelt, abgezogen, geschliffen und wieder gefüllert. Tagelang. Unser ursprünglicher Plan in 2 Monaten fertig zu sein war schon lange über Board geworfen.

Mitte Februar verließ der 72er Audi dann die Hallen für einen Ausritt zum Lackierer. Farbe, endlich! Fahrwerksaufhängungen und Co kamen vom Pulverbeschichten zurück, Achsteile waren frisch aufbereitet und lackiert. Mit dem Zusammenbau konnte es nun losgehen.

Retro-Airrider

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Auch das Luft-Fahrwerk, welches extra für das Coupe S in Österreich angefertigt wurde, war endlich da. Nur der Luft-Tank aus den Staaten lag noch beim Zoll. Das sollte uns jetzt aber nicht aufhalten.
Dass der Tank erst im Mai freigegeben wurde sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben.

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Das Fahrwerk von unten.

Jeden Tag wurde das Coupé etwas mehr komplettiert, vor dem Zusammenbau jedes Teil gesäubert, aufbereitet und wieder eingesetzt. Wo es ging wurden neue Dichtungen organisiert, NOS Fahrwerksgelenke über den Club zusammen gesucht und wenn möglich auch Repros aller Motorschläuche angeschafft.

Auch an historischen Updates sollte es dem Coupé nicht fehlen. Über einen Clubkollegen kamen aus England englische Grünglasscheiben, über einen anderen aus Frankreich neue gelbe Bi-Focus Scheinwerfer und ein englischer Fahrerspiegel. Allgemein half der Audi 100 Coupé S Club Deutschland e.V. wo es möglich war, um nicht mehr zu beschaffende Teile zu organisieren! Ersatzteile für das Fahrzeug sind im Audi Werk schon lange nicht mehr gelagert und so weiß man sich hier mit Rat und Tat zu helfen.

Zurück auf die Straße

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Juli 2011. Neun Monate waren vergangen und das Coupe war wieder auf der Straße! Der erste Weg führte direkt vom Karosseriebauer aus nach Neuwied zum Treffen des VW Club MYK e.V. Ein Testlauf mit Erfolg! Einmal losgelassen ging es regelmäßig mit Freunden an den Wochenenden auf interessante Treffen der Szene.

So standen Events wie Tuning EXPO Saarbrücken, D.A.M.N. in Belgien und MHTS Wetzlar auf dem Programm. Ein weiteres Highlight der Saison war die Einladung von Tuningsuche.de zum Pneuhage Tuningday im Schwarzwald.

Mrs. Orangina wird zur Taufe getragen

Seit sich eine Fotografin der Szene den Namen "MrsOrangina" für das Audi 100 Coupe S einfallen ließ, wird dieser auch immer mehr von Freunden & Bekannten aus der Szene genutzt. Wer sich nun weiterhin über das Leben der Mrs informieren möchte, der kann dies auf Michaels Blog-Magazin Coupe-S.de tun. Unter dieser Adresse finden sich Umbauberichte, Bilder zu Treffen und News rund um das Leben der MrsOrangina.

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Eine schöne Saison mit dem Coupé S mit vielen neuen Freunden & Bekannten liegt hinter mir und ich freue mich schon wieder auf das Frühjahr 2012, wenn es wieder auf die Straße geht. Bis dahin wird aber wieder geschraubt, denn so wirklich fertig ist der Audi aus 1972 doch nie!

Technische Daten und Fakten

1. Karosserie
Komplette Restauration/Aufbau 2010/2011
Lackierung in original tibetorange mit zusätzlicher Glanzlackierung
Unterboden in Wagenfarbe
Tank glanzschwarz lackiert
Motorraum teilweise gecleaned
Original französische Bi-Focus Scheinwerfer
Color Grünglas aus England
2ter Außenspiegel aus England (Fahrerseite)

2. Fahrwerk / Felgen
Sonderanfertigung BagYard Airride Supreme mit Bilstein Dämpfern incl. Fernbedienung
Vorn Doppelquerlenker; hinten Starrachse an Längslenkern
Original Audi Felgen mit verchromten Caps LK 4x140 / 97MZ
Reifen 185/70 R14 Hankook Optimo K715
Aufhängungen in glanzschwarz gepulvert, bzw. lackiert
Innenliegende Bremsen an Vorderachse / Trommelbremse hinten

3. Motor
Reihenvierzylinder, vorn längs
Seitliche Nockenwelle, über Duplexkette angetrieben
Solex-Registervergaser
Abgasanlage Eigenbau, schwarz lackiert
Verschiedene Teile glanzschwarz lackiert
Nahezu alle Schläuche & Dichtungen neu
Hubraum 1871 ccm
Leistung 82 kW (112 PS) bei 5800/min
Max. Drehmoment 160 Nm bei 3500/min
Vierganggetriebe
Vorderradantrieb
Radstand 2560 mm • L/B/H 4398/1750/1370 mm
Leergewicht 1100 kg
0–100 km/h in 11,5 s • Spitze 183 km/h
Verbrauch ca. 12 Liter Super/100 km
Neupreis 1972: 14.700 D-Mark

Mein Dank geht an den Audi 100 Coupé S Club Deutschland e.V. Und natürlich auch an meine Freunde, ohne die der tägliche Wahnsinn meines Hobbys langweilig wäre! Ich danke Euch!!

Fotos und Text: M. Peschel

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Clemens 27.02.12 um 08:57 Uhr
Ein Traum.

Bei mir steht auch ein Audi 100 LS Bj. 74 im Hof... der wird demnächst auch dran glauben müssen... KOMPLETTAUFBAU :)

Freu mich schon drauf. Und Baygard kann wieder mal ein Fahrwerk für n alten Audi basteln :)

Respekt: Tolle Arbeit"

▸ Kommentar
Fabian 07.12.11 um 15:19 Uhr
Jep, sieht echt klasse aus!

▸ Kommentar
Gast 07.12.11 um 15:14 Uhr
Absolut cool, die Karre!

▸ Kommentar

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