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Was bedeutet Erlkönig?

15. März 2013
Tuning-Lexikon: Erlkönig im Lexikon

Unser Lexikon der Szenebegriffe befasst sich heute mit einem Begriff, den es schon sehr lange gibt. Die Hintergrundgeschichte des Begriffs „Erlkönig“ dürfte selbst Tuningfans interessieren, die mit seiner grundsätzlichen Bedeutung im Bezug auf Fahrzeuge vertraut sind.

Ein Fahrzeug-Prototyp, der zum Schutz gegen frühzeitiges publik werden seines äußeren Erscheinungsbildes mit optischer Tarnung unterwegs ist, wird gemeinhin als „Erlkönig“ bezeichnet. In der Automobilindustrie spielt die Geheimhaltung der Optik von neuen, noch nicht erhältlichen Fahrzeugen insofern eine Rolle, dass der Absatz des noch aktuellen Modells beeinflusst werden könnte, wenn der Nachfolger dieses quasi als „überholt“ abstempelt. Es gibt verschiedene „Erlkönig“-Typen. So kann neue Technik zum Beispiel zu Testzwecken unauffällig in der Karosserie des aktuell noch auf dem Markt befindlichen Modells untergebracht und auf große Fahrt geschickt werden. Sobald das Karosseriedesign eines Fahrzeugs steht, wird die äußere Hülle bei Testfahrten im Normalfall verschiedentlich stark verfremdet. Hierbei sollen markante Konturen und Formen mit Verkleidungen und Abdeckungen so weit wie möglich verschleiert werden. Die Automobilhersteller handhaben die „Erlkönig“-Politik jedoch unterschiedlich.

Woher kommt der Name „Erlkönig“?

Die meisten unserer Leser werden wissen, dass es sich dabei ursprünglich um ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe handelt. Darin reitet ein Vater mit seinem kleinen Sohn im Arm durch die Nacht. Letzterem erscheint die Gestalt des „Erlkönigs“, welcher ihn mit in „sein Reich“ nehmen will. Während der Erlkönig für den Vater die ganze Zeit über unsichtbar bleibt, findet der Sohn noch vor dem Erreichen der Heimat den Tod. Während das Gedicht viel Platz für Interpretationen lässt, fragt ihr euch jetzt sicher alle: Was hat das mit Fahrzeug-Prototypen zu tun?
Im Gegensatz zum heutigen Umgang mit der Materie war das Veröffentlichen von Prototyp-Schnappschüssen in den 1950er Jahren keineswegs an der Tagesordnung. Als die Zeitschrift „auto motor und sport“ damals nach anfänglichem Zögern damit beginnen wollte, Amateuraufnahmen solcher Fahrzeuge abzudrucken, überlegten die Redakteure, wie man diese Aktion „entschärfen“ könne. Auch wenn die verwendeten Fotos nach heutigen Maßstäben lächerlich waren, stellte die Tatsache der Veröffentlichung damals eine nie dagewesene Provokation der Automobilindustrie dar.

"Wer fährt da so rasch durch Regen und Wind?"

Chefredakteur Heinz-Ulrich Wieselmann beschloss, den Artikeln durch liebenswürdige Texte ein wenig ihre Schärfe zu nehmen und verfasste für die ersten geplanten Prototyp-Artikel kleine Achtzeiler im Stil des bekannten „Erlkönig“-Gedichts. Die erste Veröffentlichung im Sommer 1952 hatte den Mercedes Benz 180 zum Inhalt. Der Begleittext begann, ganz ähnlich dem Werk von Goethe, mit dem Satz „Wer fährt da so rasch durch Regen und Wind?“. Redakteur Werner Oswald hatte deshalb die Idee, die neue Artikelreihe schlicht und ergreifend „Erlkönig“ zu taufen. Fortan wurde in der Zeitschrift „auto motor und sport“ dann jeder Prototyp als „Erlkönig“ bezeichnet und der Begriff etablierte sich.

Interessanterweise soll der Begriff „Erlkönig“ angeblich auf einem Übersetzungsfehler basieren. Der Stoff von Goethes Ballade stammt nämlich ursprünglich aus Dänemark, wo der Erlkönig „Elfenkönig“ heißt. Aber das nur am Rande...

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Text: B. Planz

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