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Vom Aufstieg und „Niedergang“ einer Kultreihe – Teil 2

17. Januar 2013
Legenden: „Fast & Furious“ ohne Autos?

Teil 2 - Die „Fast & Furious“-Filmreihe ist jedem Autofan ein Begriff. Der mittlerweile bereits sechste Teil wird gerade produziert. Im Verlauf der Saga rückte der Fokus immer weiter weg von den ursprünglichen Hauptdarstellern aus Blech. Benjamin Planz, Tuningsuche-Redakteur und „Fast & Furious“-Anhänger der ersten Stunde, wagt einen kritischen Blick auf Vergangenheit und Zukunft der Kultreihe.

Nachdem ich mich in Teil 1 dieses Artikels fast ausschließlich dem ersten „The Fast and the Furious“ und dessen Wirkung beschäftigt habe, stehen in Teil 2 die ersten beiden Sequels auf dem Programm.

Teil 2 - Zu schnell und zu wild?

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Statt den zweiten Teil schlicht und ergreifend „The Fast and the Furious 2“ zu nennen, tauften die Macher ihn stattdessen „2 Fast 2 Furious“, also „Zu schnell und zu wild“. In puncto „Namensgebung“ sollte die Reihe auch danach eigenwillig bleiben. Brian O'Conner, gespielt von Paul Walker, stellt in der Fortsetzung aus dem Jahre 2003 neben FBI-Mann Bilkins die einzige Figur dar, die dem Publikum aus dem ersten Teil bekannt ist. Zum Fehlen von Vin Diesel existieren mehrere Stories. Es geht zum einen das Gerücht um, dass Diesel als „Amerika's neuer Actionheld“ etwas am Abheben war einfach zu viel Geld forderte. Schenkt man einer anderen Version Glauben, war Diesel im Script einfach nicht vorgesehen.

Erster Teil verpasst? Hier geht's zu Teil 1: Vom Aufstieg und Niedergang einer Kultreihe-Teil 1

Laut der in meinen Augen glaubwürdigsten Story waren er und der für den zweiten „Fast & Furious“ ebenfalls nicht zurückkehrende Regisseur Rob Cohen mit „XXX“ beschäftigt und es ergab sich schlichtweg ein Zeitproblem. Ich persönlich hatte mit dem Ausscheiden (beziehungsweise aus heutiger Sicht „Aussetzen“) der Figur „Dom Toretto“ keine Probleme. Ich war nie ein Fan von Diesel und Oberproll Toretto war mir alles andere als sympathisch und wohl eher auf das (noch) jüngere Publikum ausgerichtet. Aus meiner Sicht zeichnet der Mangel an Sympathieträgern und Identifikationsfiguren (zumindest für Autoenthusiasten über 21) die Reihe schon fast aus. Als „Ersatz“ bekam Paul Walker den durchtrainierten Tyrese Gibson als „Roman Pearce“ zur Seite gestellt. Tyrese war damals noch weniger als Schauspieler sondern vielmehr als R&B-Barde bekannt. Natürlich war er auch am erneut erstklassigen Soundtrack beteiligt. Die von ihm verkörperte Figur bringt eine Portion Humor in den Film und sorgt dafür, dass „2 Fast 2 Furious“ eine gewisse „Buddy-Movie“-Dynamik erhält.

Ich verließ das Kino im Jahre 2003 dennoch etwas enttäuscht. Mir stand die Krimihandlung zu sehr im Vordergrund. Daran konnten auch die gefühlten 3,4 Millionen modifizierten Fahrzeuge in der Lagerhallen-Szene nichts ändern. Aus heutiger Sicht könnte ich mich deshalb ohrfeigen, hat der Film im Vergleich zu „Fast & Furious 5“ doch quasi NULL Krimihandlung und dreht sich DURCHWEG nur um modifizierte Fahrzeuge aller Art. An den Kinokassen schnitt der Film noch besser als ein Vorgänger ab. Auffallend hierbei ist, dass er in den USA schlechter besucht war als der erste Teil, die massiv gestiegene Zuschauerzahl im Rest der Welt dies jedoch mehr als ausgleichen konnte. So spielte „2 Fast 2 Furious“ bei einem Budget von 76 Millionen insgesamt über 230 Millionen Dollar ein.

Interessant ist, dass die Macher 2 Fahrzeuge, die bereits im ersten Teil eine Rolle spielten, für die Fortsetzung „recyclet“ haben. Sowohl der Mazda RX-7 als auch der gezeigte Toyota Supra sind modifizierte Requisiten aus dem ersten Teil. Der Nissan Skyline GT-R, den Paul Walker beim Rennen zu Filmbeginn fährt, ist tatsächlich auch abseits der Leinwand sein Eigentum. Den Powerslide nach seinem Sieg als Brian O'Conner im Anfangsrennen führte der Schauspieler auch persönlich aus und verzichtete auf ein Stuntdouble.

Teil 3 - Kulturcrash

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Nachdem Paul Walker dem dritten Teil wegen anderer Projekte eine Absage erteilte, beschloss man bei Universal, mit komplett neuer Besetzung an eine neue Story zu gehen. So ist bei „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ der Name Programm. Schauplatz des Films ist nämlich Tokyo (beziehungsweise das als solches verkleidete Los Angeles) und es wird reichlich gedriftet. Lucas Black spielt den 17-jährigen Autofreak Sean Boswell, der sich nach einem Crash zuviel bei seinem in Japan stationierten Vater wiederfindet und sich dem dort etablierten Driften annimmt. Während der Film technisch durch einige Features besticht und den Lifestyle der japanischen Szene zu beleuchten versucht, bleiben geistreiche Dialoge und sinnvolle Handlungstränge desöfteren auf der Strecke. Das beginnt schon damit, dass Hauptdarsteller Black etliche Jahre älter ist als der von ihm verkörperte Sean und man das auch sehr deutlich sieht. Dass eben dieser Sean „einfach so“ den ortsansässigen „Drift King mit Unterweltverbindungen“ herausfordert und er hierfür „einfach so“ eine S15 Silvia erhält, die er dann aufgrund mangelnder Driftkenntnis „einfach so“ schrottet, ist nur eine der vielen sinnfreien Szenen.

In der Welt von „Tokyo Drift“ gibt ein Yakuza-Boss auch mal sein OK für ein alles entscheidendes Rennen, obwohl er eigentlich auf andere Weise kurzen Prozess mit den Beteiligten machen müsste. Der Einbau eines Nissan Silvia Antriebs in einen 1967er Ford Mustang ist auch kein Problem, das macht man schnell noch vor dem entscheidenden Tag. Wie ich den Film fand? GÖTTLICH. Auch, wenn ich kein glühender Anhänger des japanischen „Nationalsports Driften“ bin, ist „Tokyo Drift“ für mich ein echter und würdiger „The Fast and the Furious“-Nachfolger. Autos, Lifestyle und Action stehen im Vordergrund einer Handung, die größtenteils nur dazu dient, Szenen mit Autos aneinander zu reihen. Freunde klassischer Rennen kommen direkt zu Beginn des Films auf ihre Kosten, danach dreht sich halt alles ums Driften. Höhepunkt und Finale ist ein RENNEN. Und so sollte das meiner Meinung nach sein. Der Soundtrack zum Film ist erneut exzellent, wenn auch dem Japan-Thema entsprechend stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig. Da die Stuntfahrer der Produktionsfirma Universal nicht in der Lage waren, die erforderlichen Drifts zu absolvieren, wurden etliche Szenegrößen ins Boot geholt.

Drift-Pionier Keiichi Tsuchiya, der echte „Drift King“, erhielt hingegen einen kleinen Gastauftritt als Angler, der sich über Sean's Driftkünste lustig macht. Es existieren etliche Theorien darüber, wo „Tokyo Drift“ zeitlich in der „Fast & Furious“-Reihe anzusiedeln ist.
Grund hierfür ist das im Film gezeigte Ableben der Figur des Han Seoul-Oh, welche in den beiden Fortsetzungen jedoch wieder dabei ist. Man darf folgendes nicht vergessen: Wer bei „Fast & Furious“ zuviel nachdenkt, hat schon verloren. Als Han im vierten Teil wieder quicklebendig war und sich in der Filmhandlung nach Tokyo verabschiedete, mutmaßte jeder, dass die beiden Filme „zeitgleich“ ablaufen. Da er in Teil 5 sogar eine größere Rolle spielt, wird „Tokyo Drift“ jetzt überall als „chronologisch letzter Teil der Serie“ angepriesen.

In Wahrheit wollte Regisseur Justin Lin wahrscheinlich einfach weiter mit Schauspieler Sung Kang arbeiten. Da die von ihm verkörperte Figur nunmal in einem Fahrzeugwrack verbrannt ist, versetzte man die Handlung kurzerhand dementsprechend nach vorne. Das war meiner Meinung nach weder im Vorhinein geplant noch steckt ein tieferer Sinn dahinter. An den Kinokassen schnitt der Film leider schlechter als seine Vorgänger ab. In den USA brach der Umsatz nahezu ein während im Rest der Welt „nur“ ein deutlicher Rückgang der Zuschauerzahlen zu verspüren war. „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ war mit 85 Millionen Dollar Produktionskosten der bis dahin teuerste Teil und spielte mit insgesamt rund 158 Millionen am wenigsten ein. Und dieser Fakt sollte leider nicht ohne Folgen bleiben...

Hier gehts zum 3. Teil unserer Reihe: Aufstieg und Niedergang einer Kultreihe - Teil 3


Text: B. Planz, Bilder: Universal

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